Abhängigkeit von Cloud-Anbietern: Was passiert, wenn der Anbieter die Preise verdoppelt oder den Dienst einstellt?
Kurzfristig meist wenig: Der laufende Vertrag gilt bis zu seinem Ende. Entscheidend ist der Moment danach. Wer dann nicht weiß, wie er seine Daten herausbekommt, wie lange ein Wechsel dauert und welche Alternative es gibt, muss die neuen Bedingungen annehmen. Abhängigkeit lässt sich nicht ganz vermeiden, aber man kann sie kennen, bewerten und für die wichtigsten Dienste einen Ausstieg vorbereiten.

Woran Sie merken, dass Sie abhängig sind
Fast jede Organisation nutzt heute Dutzende Cloud-Dienste: Mail und Kalender, Dateiablage, Buchhaltung, Lohn, Dienstplanung, Branchensoftware, Videokonferenzen. Abhängig im kritischen Sinn sind Sie von einem Dienst, wenn mindestens eine dieser Aussagen zutrifft:
- Sie wüssten nicht, wie Sie Ihre Daten vollständig und lesbar herausbekommen.
- Ein Wechsel würde länger dauern als die Kündigungsfrist.
- Ihre Abläufe sind um Funktionen gebaut, die es nur bei diesem Anbieter gibt.
- Niemand im Haus kennt Laufzeit, Kündigungsfrist und Preisanpassungsklausel.
- Ihre Mitarbeitenden melden sich mit dem Konto dieses Anbieters auch bei anderen Systemen an.
Die fünf Seiten einer Abhängigkeit
| Seite | Die Frage dazu |
|---|---|
| Daten | Können wir alle Daten in einem offenen Format exportieren, und haben wir das schon einmal ausprobiert? |
| Vertrag | Wann endet der Vertrag, wie lange ist die Kündigungsfrist, und was darf der Anbieter an Preis und Leistung einseitig ändern? |
| Abläufe | Welche unserer Abläufe funktionieren nur so, wie dieses Produkt es vorgibt? |
| Identitäten | Laufen die Anmeldungen unserer Mitarbeitenden, Dienstkonten und Schnittstellen über diesen Anbieter, und kämen wir ohne ihn noch an unsere anderen Systeme? |
| Rechtsraum | Unter welchem Recht steht der Anbieter, und wer kann von ihm Zugriff auf unsere Daten verlangen? |
Daten
Können wir alle Daten in einem offenen Format exportieren, und haben wir das schon einmal ausprobiert?
Vertrag
Wann endet der Vertrag, wie lange ist die Kündigungsfrist, und was darf der Anbieter an Preis und Leistung einseitig ändern?
Abläufe
Welche unserer Abläufe funktionieren nur so, wie dieses Produkt es vorgibt?
Identitäten
Laufen die Anmeldungen unserer Mitarbeitenden, Dienstkonten und Schnittstellen über diesen Anbieter, und kämen wir ohne ihn noch an unsere anderen Systeme?
Unter welchem Recht steht der Anbieter, und wer kann von ihm Zugriff auf unsere Daten verlangen?
Die Datenseite ist meist die kleinste Sorge. Die Abläufe sind die größte: Ein Export ist in Tagen erledigt, das Umgewöhnen von hundert Mitarbeitenden nicht.
Am leichtesten übersehen werden die Identitäten. Wenn sich alle Mitarbeitenden über das Konto eines Anbieters auch an Dateiablage, Branchensoftware und Lohnportal anmelden, hängt an diesem einen Anbieter der Zugang zu allem. Dasselbe gilt für Dienstkonten und Schnittstellen-Schlüssel, die nur dort verwaltet werden. Wer seine Identitäten selbst in der Hand hat, kann einzelne Dienste austauschen, ohne dass morgens niemand mehr hineinkommt.
Was der Data Act ändert und was nicht
Seit September 2025 gilt die europäische Datenverordnung (Data Act). Sie verpflichtet Anbieter von Cloud-Diensten, den Wechsel zu einem anderen Anbieter zu ermöglichen:
- Die Kündigungsfrist für den Wechsel darf höchstens zwei Monate betragen.
- Danach folgt ein Übergangszeitraum von in der Regel 30 Tagen, in dem der Anbieter beim Wechsel unterstützen muss.
- Wechselentgelte dürfen bis Januar 2027 nur noch kostenbezogen erhoben werden; ab dem 12. Januar 2027 sind sie verboten.
Das verbessert Ihre Lage deutlich. Es löst aber nur die Datenseite und einen Teil der Vertragsseite. Wie lange es dauert, Abläufe auf ein anderes Produkt umzustellen, regelt keine Verordnung.
So verringern Sie die Abhängigkeit, ohne alles umzubauen
- Bestand aufnehmen. Welche Dienste nutzen Sie, welche Daten liegen dort, wer ist zuständig, wann enden die Verträge?
- Bewerten. Für jeden Dienst zwei Fragen: Wie hart trifft uns ein Ausfall oder eine Preisverdopplung? Wie aufwendig wäre ein Wechsel? Daraus ergeben sich die fünf bis zehn Dienste, um die Sie sich wirklich kümmern müssen.
- Ausstieg vorbereiten. Für diese Dienste einen kurzen Ausstiegsplan: Exportweg, Alternative, Anmeldung danach, Dauer, Zuständigkeit. Und den Export einmal tatsächlich durchführen.
- Bei der nächsten Verlängerung verhandeln. Ausstiegsunterstützung, Exportformat, Preisanpassung und Kündigungsfrist gehören in den Vertrag, bevor Sie verlängern, nicht danach.
- Neue Dienste mit dem Ausgang im Blick auswählen. Wer bei der Auswahl fragt, wie man wieder herauskommt, erspart sich später die teuerste Abhängigkeit.
Das Ziel ist nicht, alles selbst zu betreiben. Das Ziel ist, Abhängigkeiten bewusst zu wählen, statt sie zu erben.
In großen und regulierten Organisationen
- Preiserhöhungen lassen sich nicht weitergeben. Bei Sozialträgern und geförderten Einrichtungen sind Verwaltungskosten in Entgelten und Zuwendungen meist für einen festen Zeitraum vereinbart. Eine Lizenzerhöhung mitten im Zeitraum trägt der Träger selbst.
- Sensible Daten. Sozial-, Gesundheits- und Personaldaten stellen höhere Anforderungen an Speicherort und Zugriff. Die Frage nach dem Rechtsraum des Anbieters ist hier keine Formalie.
- Ausschreibungspflicht. Wo ein Wechsel ausgeschrieben werden muss, verlängert das die Dauer. Ein Ausstiegsplan, der das Vergabeverfahren nicht einrechnet, ist zu optimistisch.
- Gremien. Vorstand und Aufsichtsrat wollen wissen, ob das Haus einem Anbieter ausgeliefert ist. Eine Übersicht der kritischen Abhängigkeiten mit Ausstiegsplan beantwortet das auf einer Seite.
- Branchenlösungen mit wenigen Anbietern. In Krankenhäusern, Krankenkassen und vielen Verwaltungen laufen zentrale Abläufe über Fachsoftware, für die es nur wenige Anbieter gibt. Ein Wechsel ist dort selten eine echte Option. Umso wichtiger sind Exportwege, Ausstiegsklauseln und Identitäten, die Sie selbst in der Hand haben.
Wie Sie mit uns starten
Die Standortbestimmung unserer Linie Digitale Souveränität (Audit Souveränität) zeigt, welche Software auf Ihren Rechnern läuft und welche Cloud-Dienste Sie im Browser nutzen, welche Programme bekannte Sicherheitslücken haben und wie abhängig Sie von den jeweiligen Herstellern sind. Sie endet mit einer Roadmap: was zuerst zu schließen ist, wo sich Software zusammenführen lässt und wo ein Souveränitätskonzept nötig ist. Festpreis nach Größe: 3.900 €, 4.800 € oder 5.700 €. Wenn Sie danach für die kritischen Dienste Ausstiegspläne und eine Reihenfolge brauchen, folgt die Vertiefung (9.900 €).
Häufige Fragen
Vom Team der addonware GmbH, Bereich Digitale Souveränität. Stand: Oktober 2026.