Excel als Klebstoff: Welche Listen KI ausbremsen, und wie Wissen endlich für alle verfügbar wird
In fast jeder Organisation gibt es sie: die Excel-Liste, ohne die nichts läuft. Sie führt zusammen, was die vorhandenen Systeme nicht abbilden, und nur eine Person weiß, wie der Wert in Spalte K berechnet wird. Für KI ist das eine Sackgasse: Sie findet drei Fassungen derselben Liste und antwortet trotzdem überzeugt, nur eben falsch. Nicht jede Tabelle muss weg. Es reicht, die wenigen Listen abzulösen, an denen Geld, Fristen oder Entscheidungen hängen. Aus jeder wird ein kleines eigenes Werkzeug, mit KI schnell als Prototyp gebaut und nach einem gemeinsamen Regelwerk betrieben. Dann steckt das Wissen nicht mehr in einer Datei, sondern steht allen zur Verfügung, die damit arbeiten dürfen.

Was drei aktuelle Studien zeigen
Die drei Studien haben unterschiedliche Gruppen befragt. Zusammen zeigen sie ein deutliches Bild: Was KI ausbremst, ist selten das Modell, sondern die Daten. Wir sehen das in Industrie und Handel ebenso wie in Finanzabteilungen, Verwaltungen und der Sozialwirtschaft.
| Studie | Befragte | Ergebnis |
|---|---|---|
| Lünendonk, Tax Technology 3.0, mit Grant Thornton und weiteren Partnern (Februar 2026) | 84 Unternehmen in Deutschland, befragt wurden vor allem Steuer- und Finanzverantwortliche | Bei 94 Prozent ist Excel weiterhin der wichtigste Vermittler zwischen den Systemen. Bei 61 Prozent liegen wichtige Daten in Excel-Dateien oder verstreut. Größte Hindernisse für neue Technik: Systeme, die nicht zusammenarbeiten (63 Prozent), und die Qualität der Daten (56 Prozent). |
| Bitkom, Künstliche Intelligenz in der Wirtschaft (September 2026) | 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland | 57 Prozent nutzen KI. Die Hälfte davon nennt das Aufbereiten der Daten als großen Kostenpunkt, 41 Prozent das Anbinden an bestehende Systeme. |
| SAS, Data and AI Impact Report (September 2026), Werte für Deutschland | Unternehmen, die KI einsetzen | Für 65,9 Prozent ist die Qualität der Daten eine zentrale Anforderung. Aber nur 16,3 Prozent prüfen sie verbindlich in jedem Projekt. |
Lünendonk, Tax Technology 3.0, mit Grant Thornton und weiteren Partnern (Februar 2026)
Befragte
84 Unternehmen in Deutschland, befragt wurden vor allem Steuer- und Finanzverantwortliche
Ergebnis
Bei 94 Prozent ist Excel weiterhin der wichtigste Vermittler zwischen den Systemen. Bei 61 Prozent liegen wichtige Daten in Excel-Dateien oder verstreut. Größte Hindernisse für neue Technik: Systeme, die nicht zusammenarbeiten (63 Prozent), und die Qualität der Daten (56 Prozent).
Bitkom, Künstliche Intelligenz in der Wirtschaft (September 2026)
Befragte
603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland
Ergebnis
57 Prozent nutzen KI. Die Hälfte davon nennt das Aufbereiten der Daten als großen Kostenpunkt, 41 Prozent das Anbinden an bestehende Systeme.
SAS, Data and AI Impact Report (September 2026), Werte für Deutschland
Befragte
Unternehmen, die KI einsetzen
Ergebnis
Für 65,9 Prozent ist die Qualität der Daten eine zentrale Anforderung. Aber nur 16,3 Prozent prüfen sie verbindlich in jedem Projekt.
Warum eine Excel-Tabelle neben den Systemen entsteht
Niemand pflegt aus Freude eine Excel-Liste. Meist gibt es dafür einen guten Grund:
- Der bestehenden Software fehlt ein Feld oder eine Sicht. Ein Beispiel: Die Dienstplanung läuft in der Fachsoftware. Ob die Fachkraftquote aber in jeder Schicht stimmt und wessen Pflichtfortbildung bald abläuft, steht in einer Excel-Tabelle der Einrichtungsleitung. Ein anderes Beispiel: Im Maschinenbau weiß das ERP, welche Maschine wo steht. Wann aber welches Prüfmittel zur Kalibrierung muss, steht in einer eigenen Liste der Qualitätssicherung.
- Zwei Systeme reden nicht miteinander. Dann werden Daten exportiert, in Excel umsortiert und im anderen System wieder eingelesen. Jeder Monatsabschluss wird so zum kleinen Bastelprojekt.
- Eine kleine Excel-Liste ist schneller als der Änderungsantrag. Eine Spalte ist in Sekunden angelegt. Eine Anpassung der Software dauert Monate.
- Das Wissen steckt in einer Person. Wer die Liste seit Jahren pflegt, weiß, warum Spalte K so heißt. Sonst weiß es niemand.
Darum lohnt es sich, jede Excel-Liste neben den Systemen ernst zu nehmen. Sie zeigt genau, was eine neue Lösung können muss.
Was das für KI bedeutet
KI kann nur auswerten, was sie findet. Liegen auf dem Laufwerk drei Fassungen derselben Liste mit unterschiedlichen Spalten, klingt die Antwort der KI trotzdem überzeugend. Sie ist aber geraten.
Das merken die Leute, die mit KI arbeiten. In der SAS-Studie lehnen Befragte in Deutschland Empfehlungen der KI vor allem aus zwei Gründen ab: Sie können sie nicht nachvollziehen, oder die Ergebnisse sind falsch. Ein besseres Modell ändert daran wenig. Eine gepflegte Quelle mit klarer Zuständigkeit ändert viel.
Welche Tabellen bleiben dürfen, und welche nicht
| Art der Tabelle | Beispiel | Empfehlung |
|---|---|---|
| Persönliche Arbeitsliste | Notizen einer Teamleitung zur Woche | Darf bleiben. Niemand sonst hängt daran. |
| Einmalige Auswertung | Zahlen für eine Gremiensitzung | Darf bleiben. Quelle und Stand auf das Blatt schreiben. |
| Nebenliste mit fehlenden Daten | Prüffristen für Maschinen und Messmittel, Fortbildungsfristen, Schlüssel und Zugänge | Feld oder Sicht im vorhandenen System ergänzen, sonst ein kleines eigenes Werkzeug (siehe unten). |
| Brücke zwischen zwei Systemen | Export aus der Fachsoftware, Umsortieren, Import in die Buchhaltung | Schnittstelle bauen. Hier liegt oft der schnellste Zeitgewinn. |
| Liste, an der Geld oder Entscheidungen hängen | Umsatzsteuer-Abstimmung, Verrechnung im Konzern, Belegung und Abrechnung mit Kostenträgern, Fördermittel | Zuerst ablösen, mit benannter Zuständigkeit. |
Persönliche Arbeitsliste
Beispiel
Notizen einer Teamleitung zur Woche
Empfehlung
Darf bleiben. Niemand sonst hängt daran.
Einmalige Auswertung
Beispiel
Zahlen für eine Gremiensitzung
Empfehlung
Darf bleiben. Quelle und Stand auf das Blatt schreiben.
Nebenliste mit fehlenden Daten
Beispiel
Prüffristen für Maschinen und Messmittel, Fortbildungsfristen, Schlüssel und Zugänge
Empfehlung
Feld oder Sicht im vorhandenen System ergänzen, sonst ein kleines eigenes Werkzeug (siehe unten).
Brücke zwischen zwei Systemen
Beispiel
Export aus der Fachsoftware, Umsortieren, Import in die Buchhaltung
Empfehlung
Schnittstelle bauen. Hier liegt oft der schnellste Zeitgewinn.
Liste, an der Geld oder Entscheidungen hängen
Beispiel
Umsatzsteuer-Abstimmung, Verrechnung im Konzern, Belegung und Abrechnung mit Kostenträgern, Fördermittel
Empfehlung
Zuerst ablösen, mit benannter Zuständigkeit.
So finden Sie die wichtigen Tabellen
- Eine Stunde Inventur je Bereich. Welche Excel-Dateien öffnen Sie jede Woche? Wer pflegt sie, woher kommen die Daten, wohin gehen sie?
- Nach Wirkung sortieren. Hängt Geld, eine Frist oder eine Entscheidung an der Liste? Diese kommen nach oben.
- Für die oberen drei den Grund klären. Fehlt ein Feld, eine Sicht oder eine Schnittstelle? Oder fehlt eine Regel, wer was pflegt?
- Die Lösung mit den Leuten bauen, die die Liste heute pflegen. Sie wissen am besten, was das System können muss. Ein klickbarer Prototyp zeigt vor dem Kauf, ob es passt.
- Erst dann KI anschließen, an die gepflegte Quelle statt an das Laufwerk.
Aus der Liste wird ein Werkzeug
Früher hieß die Wahl: Liste behalten oder ein großes System anpassen lassen. Das eine war schnell und unsicher, das andere sicher und langsam. Heute gibt es einen dritten Weg.
Für eine Liste, die das Fachsystem nicht abdeckt, entsteht ein kleines eigenes Werkzeug: eine Eingabemaske mit genau den Feldern der Liste, die Auswertung, die bisher jemand von Hand gebaut hat, und eine Erinnerung, wenn eine Frist näher rückt. Mit KI ist davon schnell ein klickbarer Prototyp gebaut, zuerst mit Beispieldaten. Die Leute, die die Liste heute pflegen, probieren den Prototyp aus und sagen, was fehlt. In Betrieb geht das Werkzeug erst, wenn es passt.
Damit aus zwanzig Listen nicht zwanzig kleine Insellösungen werden, gilt für alle Werkzeuge dasselbe Regelwerk. Darin ist festgelegt, was keine Tabelle leisten kann:
| Lücke der Excel-Liste | Lösung im gemeinsamen Regelwerk |
|---|---|
| Die Datei liegt auf dem Laufwerk. Wer sie öffnen kann, sieht alles. | Anmeldung mit den Konten, die Ihre Organisation schon hat, und Rechte je Rolle. Wer die Organisation verlässt, verliert den Zugang zu allen Werkzeugen zugleich. |
| Niemand weiß, wer Spalte K zuletzt geändert hat. | Jede Änderung steht mit Name, Zeitpunkt, vorher und nachher im Verlauf, auch wenn eine KI sie gemacht hat. |
| Es gibt drei Fassungen, und jede sieht richtig aus. | Es gibt eine Quelle. Auswertungen, Berichte und KI greifen auf denselben Stand zu. |
| Die KI bekommt die ganze Datei oder gar nichts. | KI-Assistenten arbeiten mit genau den Rechten der Person, für die sie arbeiten. |
| Wann die Daten gelöscht werden, steht nirgends. | Auskunft und Löschung laufen zentral für alle Werkzeuge. Wo Aufbewahrungspflichten gelten, greift eine Sperre. |
| Wer wechseln will, kopiert von Hand. | Alle Daten lassen sich vollständig in offenen Formaten exportieren. Die Daten gehören Ihnen. |
Die Datei liegt auf dem Laufwerk. Wer sie öffnen kann, sieht alles.
Anmeldung mit den Konten, die Ihre Organisation schon hat, und Rechte je Rolle. Wer die Organisation verlässt, verliert den Zugang zu allen Werkzeugen zugleich.
Niemand weiß, wer Spalte K zuletzt geändert hat.
Jede Änderung steht mit Name, Zeitpunkt, vorher und nachher im Verlauf, auch wenn eine KI sie gemacht hat.
Es gibt drei Fassungen, und jede sieht richtig aus.
Es gibt eine Quelle. Auswertungen, Berichte und KI greifen auf denselben Stand zu.
Die KI bekommt die ganze Datei oder gar nichts.
KI-Assistenten arbeiten mit genau den Rechten der Person, für die sie arbeiten.
Wann die Daten gelöscht werden, steht nirgends.
Auskunft und Löschung laufen zentral für alle Werkzeuge. Wo Aufbewahrungspflichten gelten, greift eine Sperre.
Wer wechseln will, kopiert von Hand.
Alle Daten lassen sich vollständig in offenen Formaten exportieren. Die Daten gehören Ihnen.
Betrieben werden die Werkzeuge in einer gesicherten Umgebung im europäischen Rechtsraum oder auf Ihren eigenen Servern. So bekommt die Qualitätssicherung ihr Werkzeug für Prüffristen in wenigen Wochen, nicht erst mit der nächsten Version der Fachsoftware. Und es gelten dieselben Regeln wie für jedes andere System in Ihrer Organisation.
So sieht es aus, wenn die Listen abgelöst sind
Ein ganz normaler Morgen danach:
- Die Qualitätssicherung öffnet ihr Werkzeug und sieht auf einen Blick, welche Prüfmittel in den nächsten Wochen zur Kalibrierung müssen. Die Erinnerung kam von selbst, niemand musste eine Liste durchsehen.
- Die Einrichtungsleitung plant den Dienst und sieht gleich daneben, wo die Fachkraftquote knapp wird und wessen Pflichtfortbildung abläuft.
- Die Finanzabteilung stimmt die Umsatzsteuer ab, ohne fünf Dateien zusammenzukopieren. Jeder Schritt steht im Verlauf, und bei der Prüfung muss niemand suchen.
- Eine Kollegin hat ihren letzten Arbeitstag. Ihr Konto wird gesperrt, und am selben Tag endet ihr Zugang zu allen Werkzeugen.
- Die KI bereitet vor, ein Mensch gibt frei. Sie sortiert den Eingang, erinnert an Fristen und fasst Abweichungen zusammen. Sie sieht nur, was die jeweilige Person sehen darf, und jede ihrer Änderungen ist gekennzeichnet.
- Die Geschäftsführung bekommt ihre Kennzahlen aus einer Quelle, auf dem Stand von heute statt vom letzten Monatsabschluss.
- Und die nächste Liste wird das nächste Werkzeug, nach demselben Regelwerk.
Bevor Sie ein neues System auswählen
Bei Ausschreibungen passiert oft Folgendes: Am Ende gewinnt das System, das am ehesten so aussieht wie die alte Liste. Dann wird die Gewohnheit neu gekauft, nur teurer. Besser ist es, zuerst zu klären, warum es die Liste gibt. Dann messen Sie die Anbieter an Ihren echten Abläufen, nicht an der Vorführung.
In großen und regulierten Organisationen
- Verbund. Jede Gesellschaft führt ihre eigene Fassung derselben Liste. Kennzahlen für den Vorstand entstehen, indem jemand fünf Tabellen zusammenkopiert. Sie kommen spät und lassen sich kaum nachrechnen.
- Finanz- und Steuerfunktion. Gerade hier verbindet Excel die Systeme: Abstimmungen, Verrechnungen, Meldungen. Jede Prüfung fragt nach den Schritten dazwischen, und die stehen in keinem System.
- Sensible Daten. Listen mit Gesundheits-, Sozial- oder Personaldaten auf dem Laufwerk fehlen oft im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten. Sie haben keine Löschfrist, und niemand hat festgelegt, wer sie sehen darf.
- Prüfungen. Wirtschaftsprüfung und Kostenträger fragen, woher eine Zahl kommt. Ohne Änderungsverlauf ist diese Frage schwer zu beantworten.
- Mitbestimmung. Wandert eine Liste in ein System, in dem sich Arbeit auswerten lässt, kann das die Mitbestimmung berühren. Wer Betriebsrat, Personalrat oder Mitarbeitervertretung früh einbindet, spart Zeit.
Wie Sie mit uns starten
Im Digital-Kompass (9.900 €) gehen wir mit Ihren Leuten die Abläufe durch. Wir finden die Tabellen, an denen Entscheidungen hängen, und zeigen, welche zuerst abgelöst werden sollte und auf welchem Weg. Wenn Sie vor dem Kauf sehen wollen, ob eine Lösung passt, oder wenn aus Ihrer wichtigsten Liste ein eigenes Werkzeug werden soll, folgt der Prozess-Prototyp (14.900 €, bis drei Prozessketten).
Wo Ihre Organisation heute steht, zeigt der kostenlose Reifegrad-Check Digitalisierung in etwa vier Minuten.
Häufige Fragen
Vom Team der addonware GmbH, Bereich Prozesse & Systeme. Stand: Oktober 2026.